Only for Hindus! Foreigners not allowed !!

Als ich vor dem berühmten Hindutempel in Thiruvananthapuram stehe, kommen mir Erinnerungen ins Gedächtnis auf das Erlebnis, das ich mit meiner Tochter vor circa zwei Jahren dort hatte.

Viele reisen tausende Meilen, um einmal diesen Tempel zu besuchen, um nicht nur Gottesdienste zu erleben und Segen zu empfangen, sondern auch wegen der schönen Architektur und der Skulpturen. Als ich mit meiner Tochter in Südindien Urlaub machte, wollte ich ihr diesen schönen Tempel zeigen.

Alle Männer müssen in den meisten Tempeln ihren Oberkörper freimachen und Frauen müssen hinduistisch gekleidet sein. Als diese Bedingungen erfüllt waren, ging ich mit meiner Tochter zum Tempeleingang. Mit strengen Blicken schauten die Tempelwächter uns an. Viele von ihnen trugen Stöcke bei sich, bereit zum Schlagen, falls jemand die Bräuche des Tempels missachten sollte. Dazu gehörte auch das Fotografieren, das nämlich strengstens verboten ist. Einmal, als ein Student mit einer Kamera in seinem Kugelschreiber versteckt fotografierte, wurde er verprügelt und die Kamera beschlagnahmt.

Thiruvananthapuram 

Einer der Tempelwächter schaute meine Tochter genau an. Ich sagte ihm, dass sie meine eigene leibliche Tochter und ihre Mutter eine Deutsche sei. Daraufhin stellte er an meine Tochter die Frage in Malayalam und dann in Hindi, ob sie ein Hindu sei. Als ich seine Fragen meiner Tochter übersetzte, sagte sie dem Tempelwächter, dass sie wie ihr Vater ein Hindu ist. Das ist nach Hindutradition auch richtig.

Da kam ein anderer Tempelwächter und meinte, dass meine Tochter viel zu hell ist im Vergleich zu mir, er könne sich nicht vorstellen, dass sie ein Hindu ist und verweigerte den Zutritt in den Tempel. Der eine Tempelwächter schlug mir vor, den Tempelvorsteher anzusprechen. Es war nicht so einfach, ihn zu finden und als uns das schließlich geglückt war, sagte er, ohne sich über unser Anliegen zu informieren, >>Foreigners and Non Hindus Not allowed.<< Damit sind hellhäutige Europäer und Nicht-Hindus gemeint.

Er wollte meine Argumente gar nicht hören, sondern verwies auf Sankaracharya, einen der hohen Hindupriester Indiens und sagte weiter, wenn meine Tochter eine Bescheinigung vom Sankaracharya bringen würde, dann dürfe sie rein. Ich jedoch könne ohne Wenn und Aber rein. Ich verzichtete jedoch darauf und verließ den Tempelbereich voller Enttäuschung und mit Wut im Bauch.

Nun das war vor zwei Jahren, meine Wut ist nicht mehr so stark, aber die Enttäuschung steckt tief und es schmerzt immer noch. Der Eingangsbereich ist dieses Mal streng überwacht mit Militär und Polizei. Die Straße zum Tempel ist voller Barrikaden und großen Absperrungen, so dass kein Fahrzeug mehr durchfahren kann. Vor knapp zwei Jahren wurden nämlich enorme Goldschätze in einem der Kellerräume des Tempels entdeckt und man vermutet noch mehr Schätze drin. Daher dieses große Aufgebot an Sicherheitspersonal.

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Nachdenklich, vorwurfsvoll und mit Argwohn schaue ich den Tempelturm an, denn die Tempelbehörden hätten damals Rücksicht auf die Gefühle der Menschen nehmen können, insbesondere auf die meiner Tochter.

Als ich so selbstvergessen da stehe und zum Tempelturm hinstarre, erscheint etwas Helles aus heiterem Himmel, das ich nicht erwartet habe. Dieses starke Licht kommt aus den Fenstern des Tempelturms und ich erkenne, dass es das Sonnenlicht der untergehenden Sonne ist. Das mag für jeden anderen selbstverständlich und nicht außergewöhnlich sein, aber dieses wunderbar funkelnde Licht, genau zu diesem Zeitpunkt und genau dort, wo ich stehe, empfinde ich als ein göttliches Zeichen. Ich hole meine Kamera hastig aus meinem Rucksack und knipse einfach drauf los. Meine schnelle Kameraaktion beobachten auch andere und es wird noch ein Smartphone herausgeholt.

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Es ist seltsam, aber ich bin nicht mehr wütend und ich verspüre ein leises Lächeln auf meinem Gesicht. Auf dieses Naturgeschenk war ich nicht vorbereitet, es ist wie eine Antwort oder Offenbarung, fast wie ein Zeichen der inneren Versöhnung und ich bin entzückt vor Freude.

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